Beitrag zur V. Internationalen Grafikbiennale Novosibirsk, 2007
14. September – 15. November 2007
Nowosibirsk State Art Museum, Russland
Für den kuratierten österreichischen Beitrag haben drei Künstler – Ekaterina & Wolfgang Obermair und Lukas Pusch – fünf weitere Künstlerkollegen eingeladen, um gemeinsam eine Gruppenausstellung zu entwickeln. Vor Ort wurde unter Zuhilfenahme verschiedener Präsentationsformen versucht, für jede einzelne Arbeit ein möglichst passendes Ausstellungsmodul zu finden. Bei der Gestaltung der gesamten Ausstellungsarchitektur wurde auf die im Museum vorhandenen Mittel (Vitrinen, Hängesysteme, Zimmerpflanzen, PVC Böden… ) und der ortspezifischen Infrastruktur zurückgegriffen. Als übergreifendes Element zum Biennalebeitrag wurde von Ekaterina und Wolfgang Obermair die Operation MORS durchgeführt.
Beteiligte Künstler:
Georg Frauenschuh
Kathi Hofer
Ekaterina Obermair
Wolfgang Obermair
Lukas Pusch
Christian Stock
Michael Wilhelm
Mounty R. P. Zentara
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der über das Museum bestellt werden kann.
„IF CHEMICALS ENTER THE EYES,
WASH THROUGHLY WITH CLEAR RUNNING WATER“
Die Zeichnung ist wie die Chemie in ihrem Wesen eine Stoffveränderung.
(Olga Netchyporuk)
Frei nach dem Slogan eines Chemiebaukastens der 50er Jahre: „Alles was im hause ist untersucht der ALL-CHEMIST“ könnte man auch sagen: Alles was uns umgibt kann zum Forschungsgegenstand der Kunst werden. In diesem Sinne definiert sich Kunst nicht mehr nur über die Meisterschaft alleine, vielmehr erweist sich der ALL-KÜNSTLER als ein von reiner Neugierde getriebener Forscher, der sich an der unverhofften plötzlichen Reaktion eines neuen Gemenges genauso erfreuen kann wie der Zuschauer. Dies gilt im besonderen Maße, wenn man die Anleitung zu den Experimenten des Baukastens verloren hat.
DIE METHODE: „TRIAL AND ERROR“
… sie scheint aufgrund ihrer Ineffizienz aus der Mode gekommen zu sein. Wissenschaftsgeschichtlich war dieses zeitaufwendige und riskante Verfahren – ein falscher Handgriff kann zu einer fatalen Reaktion und bis zur Erblindung führen – aber des öfteren erfolgreich. Im philosophischen Sinne ist „Trial and Error“ frei nach Karl Popper die Methode einer Annäherung, die nie ganz bei der Wahrheit ankommt und die somit antidogmatisch wirkt – die Zukunft bleibt offen.
WERKSTOFFKUNDE: DER CHEMIEBAUKASTEN
In Styropor eingepasste Gläschen, die aufgeräumte kompakte Form, der modulare Aufbau – bieten eine räumliche Ordnung auf den ersten Blick. Die begrenzten Elemente stehen für eine unbegrenzte Anzahl möglicher Reaktionen. Die wenigsten davon scheinen allerdings sinnvoll. Das HEIMLABORATORIUM beschreibt die reale Arbeits- und Forschungssituation der meisten Künstler in Atelier oder Wohnzimmer besser als das staatlich geförderte Forschungslabor. Der CHEMIEBAUKASTEN ist das Übungsfeld des unerfahreneren, aber ambitionierten und beherzten jungen Chemikers. Der Baukasten birgt das Modell im Modell: Mit dem bloßen Auge nicht sichtbare Molekülanordnungen verbinden und lösen sich. Ein Hantieren mit dem Unsichtbaren zugunsten des sichtbaren Ergebnisses. Das Szenario des Zeichners mit den Materialien Papier und Stift/Farbe ähnelt dieser Ordnung: Der Dimensionssprung vollzieht sich zwischen dem modellhaftem der Abstraktion von Idee oder Darstellung und den tatsächlichen physischen Spuren auf dem Papier.
Wolfgang Obermair, 2007